Steely Dan, welche eine Band. Nicht mehr die Jüngsten, aber überraschend zeitlos, machen Donald Fagen und Walter Becker seit 28 Jahren Musik in diesem erstaunlichen Projekt und sind dabei unbedingt auch eine Empfehlung für das Autoradio.
Kühle Brillianz
Im Jahre 1972 brachten Fagen und Becker, die sich in den späten sechziger Jahren am Bards College, einer Musikhochschule in New York, kennen gelernt hatten, wo sie unter anderem mit dem späteren Komiker Chevy Chase (am Schlagzeug) gemeinsam musizierten, ihr erstes Album unter dem (an einen stählernen Vibrator aus William S. Burroughs’ Roman „Naked Lunch“ angelehnten) Namen Steely Dan heraus. „Can’t Buy A Thrill“ ist dabei das untypischste Album der Band, das schon eine gemeinsame Vorliebe erkennen lässt, aber noch relativ wenig von der glasklaren, kühl-brillianten Produktion der folgenden Alben hat. Das Bestechende an der Gruppe, die im wesentlichen ein Zwei-Mann-Projekt mit Gastmusikern ist, sind neben den hervorragenden Texten und dem einzigartigen Songwriting die Produktions- und Arrangement-Ideen, die 1977 mit dem Album „Aja“ einen vorläufigen Höhepunkt erreichten. Wie man sehr schön in einer auf DVD erschienenen DVD über die Entstehung des Longplayers sehen und vor allem hören kann, umgaben sich Walter Becker und Donald Fagen mit der Creme der zu der Zeit verfügbaren Jazz-Rock-Musiker, um in einem sechs Monate andauernden Aufnahmeprozess den elegantesten trockenen Funk aufzunehmen, der in einer solch glatten und perfekten Produktion vorliegt.
Zwei perfekte Gentlemen
Das Beste an dem New Yorker Duo ist immer gewesen, dass beide zwar höchst versierte Musiker sind und sich stets mit technisch perfekten Instrumentalisten umgeben haben, aber trotzdem niemals der Versuchung erlegen sind, ihr Können zur Schau zu stellen. Man hört ihre Kompetenz an Tasten- und Saiteninstrumenten zwar stets, aber sie begeben sich mit ihrem Können stets in die Dienste des Songs. Die Platte klingt wie ein perfekter Gentleman sich benimmt: stets elegant, freundlich und witzig, niemals mittelmäßig, aber eben auch nie und nimmer aufdringlich. Und wer sich so gut benimmt, der bleibt auch im Gedächtnis, im Gegensatz zu den meisten aktuellen Pop-Produktionen, bei denen wie bei Steely Dan kaum etwas dem Zufall überlassen wird, es ihnen aber im Gegensatz zu letzteren an Stil, Eleganz und Eloquenz gebricht. Nach „Aja“ (ausgesprochen wie engl. „Asia“) nahm sich das Duo die längste Auszeit bis dahin: hatten Steely Dan bis dahin jedes Jahr ein Album veröffentlicht, erschien „Gaucho“, das wie sein Vorgänger einen Grammy gewinnen sollte, nach zweijähriger akribischer Studioarbeit erst 1980. Aber das ist noch nichts gegen die Pause bis zum nächsten gemeinsamen Studioalbum „Everythin Must Go“, das erst 20 Jahre später das Licht der Welt erblickte. Trotzdem blieben die beiden auch zwischendurch solo aktiv: Becker veröffentlichte zwei, Fagen drei Soloalben, bei denen man sich zum Teil gegenseitig bei der Produktion half. Besonders der synkopierte Funk von Fagens zweiter Soloplatte „Kamakiriad“ aus dem Jahre 1993 hat sich als Begleiter für lange Autofahrten bewährt – wobei eigentlich der komplette Band- und Solo-Backkatalog jedem besseren Autoradio beiliegen sollte. Die audiophilen Produktionen von Steely Dan erweisen sich übrigens als sehr dankbar, spielt man sie über eine hochwertige Anlage ab. Aber gut klingen sie auf allen erdenklichen Soundqualitätsniveaus. Und da das Duo so brilliant ist, handelt es sich um keine reine Autofahrts-Beschallungs-Musik: wenn das Fahrzeug einmal in der Werkstatt ist, freut sich auch die Heim-Stereo-Anlage, mit Steely Dan bespaßt zu werden.
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